Das Lied des Vogelhändlers
1190 beim Kreuzzug Kaiser Barbarossas tötet der Falkner Rupert seinen Herrn Heinrich von Baden. Er weiß nicht, dass dessen Geliebte den Anschlag überlebte. Franziska von Hellenau gelangt nach Akkon und arbeitet zehn Jahre am dortigen Hospital des
späteren Deutschen Ordens. Mit ihrem Sohn ist sie 1200 auf dem Weg zu den Söhnen des Ermordeten. Sie veranstalten ein großes Turnier auf Burg Hachberg, um die Großen des Reiches zu versammeln und ihre Macht zwischen Welfen und Staufern zu sichern. Ein Zaungast ist dabei der Vogelhändler Wigbert, der unterwegs mit Walther von der Vogelweide zusammengetroffen ist. Der Minnesänger ist als Bote König Philipps von Schwaben als Gast geladen. Mehrere anschlagartige Ungereimtheiten machen die beiden Männer hellhörig. Sie zweifeln vor allem daran, dass der Hoffalkner Rupert kurz vorher tragisch ums Leben kam und beginnen zu ermitteln. Beim Showdown in einem Silberbergwerk kommt zu Tage, dass Rupert schon 1190 im Auftrag der zweiten Frau des Ermordeten handelte. – Dass eine mächtige Frau ihre Stiefsöhne wegen eines eigenen Kindes beseitigen (lassen) will, ist so nichts Neues. Daran lässt sich trefflich eine Kriminalstory anknüpfen, noch dazu, wenn sie in Zeiten mit nur knapper Quellenlage spielt. Die wenigen belegten Fakten hat der Autor gut eingearbeitet, auch wenn ihm mitunter kleinere historische Fehler unterlaufen, wie der Vorname Franziska noch zu Lebzeiten des Heiligen von Assisi.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Lied des Vogelhändlers
Ralf H. Dorweiler
Lübbe (2025)
363 Seiten
kt.