Gussie
Auguste "Gussie" Adenauer war eine Tochter aus einem gutbürgerlichen, protestantischen Elternhaus. Mit 24 heiratete sie gegen Widerstände den damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer. Er war Witwer mit drei Kindern, 20 Jahre älter als
sie und Katholik. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor. Gussie nahm an der Seite ihres Mannes repräsentative Aufgaben wahr und kümmerte sich um die große Familie. Als Adenauer im Dritten Reich vor den Nazis untertauchen musste, verriet sie in der Gestapohaft seinen Aufenthaltsort, um die Kinder zu schützen. Aus Verzweiflung darüber unternahm sie einen Selbstmordversuch, an dessen Spätfolgen sie 1948 verstarb. Den Aufstieg ihres Mannes zum ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland erlebte sie nicht mehr. – Wortbergs biografischer Roman spielt auf zwei Ebenen. Gussie liegt im Krankenhaus und ist sich bewusst, dass sie es nicht mehr lebend verlassen wird. Sie lässt ihr Leben Revue passieren, sie reflektiert über die guten und die weniger guten Zeiten. Jedem Abschnitt sind Briefausschnitte von oder an Gussie vorangestellt. Ein sehr einfühlsamer, zarter Roman über ein beindruckendes Frauenleben in der ersten Hälfte des 20. Jh. Gerne zum breiten Einsatz empfohlen
Marion Sedelmayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Gussie
Christoph Wortberg
dtv (2024)
287 Seiten : Illustration
fest geb.