Wir spielen Alltag
Die auch bei uns bekannte israelische Schriftstellerin Lizzie Doron (zuletzt "Nur nicht zu den Löwen", BP/mp 24/142) schildert in ihrem neuen, sehr persönlichen Buch die Auswirkungen des jüngsten Nahostkrieges auf das tägliche Leben in Israel.
Nahezu jede Familie hat Verwandte, Freunde oder nähere Bekannte unter den ermordeten oder verschleppten Geiseln und bangt um das Leben der Soldaten. An vielen Tagen gibt es Raketenalarm, müssen Menschen Stunden in engen Schutzräumen zubringen. Angst, Stress, apokalyptische Gedanken und sogar Verzweiflung sind tägliche Begleiter. Eine zutiefst verunsicherte, auch gespaltene Gesellschaft ist auf der Suche nach Auswegen aus den Dilemmata des Krieges. Die Autorin, eine säkulare, linksliberale Jüdin, die sich immer für einen friedlichen Ausgleich mit den Arabern eingesetzt hat, versucht, ihre Erschütterung literarisch zu verarbeiten. Trotz allem bewahrt sie Empathie auch mit den palästinensischen Opfern des Krieges. Der schmale Band bietet ein eindrucksvolles Leseerlebnis und verdient eine breite Empfehlung.
Johann Book
rezensiert für den Borromäusverein.
Wir spielen Alltag
Lizzie Doron ; aus dem Hebräischen von Markus Lemke
dtv (2025)
160 Seiten
fest geb.