Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt
Gleich zu Beginn des Romans erfährt man, wie Terese Weiler spontan ihrem Mann Viktor Goll nach Mumbai nachreist, nachdem er tagelang nicht erreichbar gewesen ist. Er war zur Recherche für ein neues Buch über eine Welt ohne Waffen aufgebrochen. Das
zweite Kapitel bringt einen Blickwechsel: Ein Ich-Erzähler versucht, Klarheit über die letzte gemeinsame Zeit mit seiner Frau zu gewinnen, „als wäre Terese die Heldin in einem Roman“ (S. 15). Somit befindet man sich als Leser:in auf einer Metaebene, die den Romantitel des erfolgreichen Autors Bodo Kirchhoff erklärt. Auf weiten Strecken vergisst man beim Lesen die Erzählerfigur wieder, weil sie sehr nah an Tereses Erlebniswelt bleibt. – Im Guesthouse in Mumbai, von dem aus sich Viktor zuletzt gemeldet hatte, lernt Terese den schwäbelnden Portier Rana Walter Panjabi kennen. Ihr Mann sei bereits weitergereist. Sie beginnt eine Affäre mit Rana. Bald bringt ein Anruf ihrer Tochter Ava Terese dazu, zu ihr nach London zu fliegen, es gäbe eine wichtige Überraschung. Im selben Flugzeug sitzt auch Viktor. – Viele Zeitsprünge zu wechselnden Schauplätzen vergegenwärtigen die Ehegeschichte von Terese und Viktor. Der dicke Roman ist trotz seiner komplexen Konstruktion sehr gut lesbar. Er lässt die Leser:innen eintauchen in das Gefühlsleben einer Frau zwischen neuer Verliebtheit und einer langjährigen Ehe.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt
Bodo Kirchhoff
dtv (2026)
571 Seiten
fest geb.