Und trotzdem leben wir
Eva entkommt mit ihren beiden Kleinkindern dem Bombenhagel in Köln. Nachdem sie in ihrer ersten Bleibe am Mittelrhein vergewaltigt wird, zieht sie in das Zimmer eines vermissten jungen Mädchens bei Gerrit Mann ein. Auch andere ausgebombte Frauen
leben mit ihren Kindern in Gerrits Haus. Eine Näherin verlässt das Haus nie, sodass ihr Sohn Emil das Notwendige auf dem Schwarzmarkt besorgt. Gerrit arbeitet als Automechanikerin, um sich, ihre Tochter, ihre Mutter und den beinamputieren Bruder zu versorgen. Die Frauen, die wie Eva auf ihre aus dem Krieg zurückkehrenden Männer warten, helfen sich gegenseitig und verdienen ihr Geld in angestammten Männerberufen. Doch nach Rückkehr der Männer werden sie in ihre Rolle als Hausfrau und Mutter zurückgedrängt. Küppers Roman über die Generation von Frauen, die nach dem Krieg zum heutigen Wohlstand Deutschlands wesentlich beigetragen haben, ist sehr gut recherchiert. Die Spannung zieht der Roman aus der detaillierten psychologischen Beschreibung der Figuren, deren Schicksalen man als Leser/-in weiter folgen möchte. Küpper gelingt dies in einer prägnanten bildhaften Sprache, die das Erleben aus der Sicht der Figuren schildert.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Und trotzdem leben wir
Michaela Küpper
Droemer (2023)
313 Seiten
kt.