Zivilisationskrank
Die Autoren behaupten, dass unsere westliche Lebensweise Krankheiten erzeugt und das beste Mittel dagegen die Orientierung an der Lebensweise der steinzeitlichen Jäger und Sammler sei. Das Auftreten von Zivilisationserkrankungen verbinden die Autoren
mit dem Übergang zum Ackerbau und der damit verbundenen kohlenhydratreichen Ernährung. Nach Auffassung der Autoren gehen 80% unserer "Leiden" auf ein Übermaß an Glukose u.ä. zurück. Die falsche Ernährung und Lebensweise führe gleichzeitig zu psychischen Erkrankungen, die unsere Steinzeitvorfahren - angeblich - nicht kannten. Medizinisch ist unbestritten, dass stundenlanges Sitzen, wenig Bewegung und einseitige Kost ein hohes Krankheitsrisiko bergen. Die Heilsbotschaft einer steinzeitlichen, am Fleischverzehr orientierten Lebensweise aber greift zu kurz. Zum einen treten viele Krankheiten durch unsere längere Lebenserwartung auf, was die Autoren jedoch bestreiten. Zum anderen hat die Hinwendung zum Ackerbau für Lebensumstände gesorgt, in denen der Mensch biologisch gesehen gute Wachstumsbedingungen vorfand. Selbst wenn die Adaption der steinzeitlichen Lebensweise mit viel Fleisch und Bewegung in freier Natur das Wundermittel für die meisten Krankheiten wäre, stellt sich die Frage, wie wir das für rund sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten umsetzen könnten? - "Go wild", so der englische Titel, ist eine wilde Mischung von Informationen aus Medizin, Anthropologie und Entwicklungspsychologie und Appell zum naturorientierten Leben. Zu emotional und pauschal - ähnlich wie "Die Milch macht's" (Mediennr. 583281, in BP/mp nicht bespr.), daher nicht empfehlenswert.
Ruth Titz-Weider
rezensiert für den Borromäusverein.
Zivilisationskrank
John J. Ratey ; Richard Manning
Lübbe (2016)
320 S.
kt.