Der letzte Montag im Mai
Geraldine Brooks, Journalistin und Schriftstellerin, verliert 2019 nach 30 gemeinsamen Jahren plötzlich und unerwartet ihren Mann, den Journalisten Tony Horwitz, der unterwegs auf einem Gehsteig tödlich zusammenbricht. Weil in der Zeit danach viel
zu regeln und zu organisieren ist, unterdrückt sie ihre Trauer und funktioniert, um Alltag und Beruf zu bewältigen und auch für ihre Söhne da zu sein. Drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes zieht sie sich auf eine dünn besiedelte australische Insel zurück und beginnt, über ihren Mann Tony und ihre Ehe zu reflektieren. Hier in der selbst gewählten Einsamkeit kann sie die Trauer zulassen, kann sich an schöne, intensive, aber auch anstrengende und stressige Zeiten mit ihrem Mann erinnern. Sie hat die Zeit nach dem Tod ihres Mannes in diesem Buch festgehalten. Die wechselnden Schauplätze, West Tilbury auf Martha's Vineyard und Flinders Island an der australischen Küste gestalten das Lesen interessant, und so gewinnt man nach und nach einen immer intensiveren Einblick in die Partnerschaft, die Geraldine Brooks und ihr Mann geführt haben, und kann den großen Verlust, den sie erlitten hat, nachvollziehen. – Das Schreiben des Buches hat Brooks ermöglicht, den Tod des geliebten Mannes zu verarbeiten und ihr Leben weiterzuführen. Das Nachwort bietet eine Zusammenfassung der Autorin über diese wichtige Zeit der Trauer, des Erinnerns und Ratschläge, die ihr geholfen haben: dafür sorgen, dass weiterhin über den Verstorbenen gesprochen wird und sie wünscht sich mehr Zeit und Raum für die Trauerphasen von Angehörigen. Ein Leseerlebnis, das anrührt und über Tod und Trauer nachdenken lässt. Gerne für alle empfohlen.
Annemarie Schreibert
rezensiert für den Borromäusverein.
Der letzte Montag im Mai
Geraldine Brooks ; aus dem Englischen von Judith Schwaab
btb (2026)
219 Seiten
fest geb.