I’m a fan
„Ich stalke eine Frau im Internet, die mit demselben Mann schläft wie ich.“ Der erste Satz der Ich-Erzählerin führt direkt ein in ihre Obsessionen. Ihr Leben spielt sich zum großen Teil in den Social Media ab. Objekt ihrer Obsession ist eine
weiße Influencerin, die in ihrer inszenierten Perfektion all das hat, was die Erzählerin begehrt. Und dann ist da „der Mann, mit dem ich zusammen sein will". Er ist Künstler und älter. Von ihm verspricht sich die Erzählerin Zugang zu einer privilegierten Welt und keineswegs eine romantische Liebe: „In Beziehungen geht es darum, zu gewinnen oder zu verlieren – nicht darum, zusammenzuhalten oder sich Sicherheit zu geben”. Und doch ist sie emotional abhängig von ihm. Er jedoch ist verheiratet und kommt von der Affäre mit der Influencerin nicht los: „die Frau, von der ich besessen bin" inszeniert öffentlich ihr perfektes Leben. Je unerreichbarer es der Erzählerin erscheint, desto obsessiver stalkt sie die andere Frau in diesem atemlosen Monolog mit kurzen Kapiteln voller Zeitsprünge. Es handelt sich um kurze, dichte Texte, in denen die Indo-Britin der zweiten Einwanderergeneration nicht nur ihr eigenes Verhalten, ihre ständige „Verfügbarkeit”, ihre „Assimilationsversuche ans Weißsein”, sondern auch die Auswüchse von Rassismus, Machtmissbrauch und sozialer Abhängigkeit hinterfragt und kritisiert. Der mit dem British Book Award 2023 ausgezeichnete Roman seziert auf eindringliche Weise ein durch Social Media dirigiertes Leben. Sehr empfohlen.
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
I’m a fan
Sheena Patel ; aus dem Englischen von Anabelle Assaf
hanserblau (2023)
236 Seiten
fest geb.