Der Kaiser der Freude

Der 19-jährige Hai lebt in einer heruntergekommenen Kleinstadt in Neuengland, hat sein College abgebrochen und keinen Kontakt mehr zu seiner Mutter. Als er versucht, von einer Eisenbahnbrücke zu springen, hält ihn die alte Grazina davon ab. Die Der Kaiser der Freude alte Frau lebt allein in einem baufälligen Häuschen und bietet dem einsamen Hai an, bei ihr zu wohnen und ihr bei der regelmäßigen Einnahme ihrer vielen verschiedenen Tabletten zu helfen, wobei er selber tablettensüchtig ist. Grazina stammt aus Litauen und hat als kleines Mädchen den Einmarsch der Wehrmacht und später der Roten Armee mit all ihren Brutalitäten erlebt. Sie kämpft gegen eine beginnende Demenz und ihre auf-ploppenden Erinnerungsfetzen sind für Hai mit seinen vietnamesischen Wurzeln schwierig einzuordnen. Aber durch das Zusammentreffen mit Grazina bringt er die Energie auf, über seinen Cousin in einem Schnellrestaurant anzuheuern und erlebt dort Gemeinschaft und Zusammenhalt. – Kein Wohlfühlroman, sondern einer, der die desolaten Verhältnisse einer Kleinstadt in den USA beschreibt und das Aufeinanderstoßen verschiedener Kulturen und Identitäten. Die blumige Sprache spiegelt Hais Orientierungslosigkeit wider, aber die vielen, nicht näher erklärten Begriffe oder Produktnamen aus der US-amerikanischen Alltagswelt erschweren den Lesefluss.

Ruth Titz-Weider

Ruth Titz-Weider

rezensiert für den Borromäusverein.

Der Kaiser der Freude

Der Kaiser der Freude

Ocean Vuong ; aus dem Englischen von Anne-Kristin Mittag und [einem weiteren]
Hanser (2025)

525 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 621459
ISBN 978-3-446-28274-2
9783446282742
ca. 27,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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