Ein Muslim auf dem Jakobsweg
Spontan und ohne jegliche Vorbereitung beschließt der Autor, ein paar arbeitsfreie Tage zum Pilgern nach Santiago de Compostela zu nutzen. Dort angekommen muss er feststellen, dass es sich mit dem Pilgern im Christentum ganz anders verhält als im
Islam, und dass der Jakobsweg über Hunderte von Kilometern führt, die es mühsam zu erwandern gilt. Da er ja nun bereits am Ziel ist, fasst er den Entschluss, den Weg in die umgekehrte Richtung zu laufen. Unterwegs begegnet er vielen Menschen, die er stets nach ihrer religiösen Motivation fürs Pilgern befragt, um meist festzustellen, dass für die Pilger der Weg das eigentliche Ziel ist und es nicht darum geht, Gott näher zu kommen, sondern in erster Linie sich selbst. Diese Erfahrung ist neu für Khorchide, der bei seinen Pilgerfahrten nach Mekka stets das Gefühl hatte, Gott besonders nah zu sein. Auf dem Jakobsweg kommt er nun jedoch auch sich selbst näher. Humorvoll und leicht geschrieben bietet das Buch viele Denkanstöße. Breit empfohlen.
Martina Häusler
rezensiert für den Borromäusverein.
Ein Muslim auf dem Jakobsweg
Mouhanad Khorchide
Herder (2024)
175 Seiten
kt.