Die Entdeckung der Ewigkeit
„Longevity“ und „Anti-Aging“ gehören zu den Mega-Trends in unserer Gesellschaft – kein Wunder, ist doch die bevölkerungsstärkste Generation nun im Rentenalter oder kurz davor. Wenn der Horizont des eigenen Lebens näherrückt, liegt es
nahe, dass man versucht, so langsam und so wenig wie möglich zu altern und das Maximum an erreichbarer Lebenszeit zu verwirklichen. Für den Publizisten Peter Seewald ist diese Haltung zwar nachvollziehbar, aber ein „Irrweg“. Es ist falsch, das Alter geringzuschätzen, weil es nicht nur Verlust und Einschränkung bedeutet, sondern auch ganz neue Erfahrungen und Möglichkeiten bietet, und es ist falsch, den Tod zu verdrängen, weil das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit dem Leben Tiefe und Bedeutsamkeit gibt. Warum tun sich so viele Menschen heute so schwer, ihre Vergänglichkeit anzuerkennen, warum war die Corona-Pandemie solch ein Schock? Für Seewald ist klar: Es ist der Verlust des Jenseitsglaubens, der uns den Tod derartig fürchten und verdrängen lässt. Ein Blick in die Kulturgeschichte der Menschheit führt ihn zur Schlussfolgerung: Die Sehnsucht nach Unsterblichkeit ist tief im Menschsein verankert, im Grunde ist es sogar diese Sehnsucht, die zum Ausgangspunkt all dessen wurde, was wir Zivilisation nennen. Und die Auferstehung Jesu Christi von den Toten ist Ursprung und Mitte der christlichen Religion. Diese frohe Botschaft gab vielen Generationen vor uns Trost und Hoffnung. Wer an ein ewiges Leben glaubt, für den ist Altern „keine Krankheit, sondern ein Transformationsprozess, der auf ein höheres Level führt“, und der Tod ist „nicht das Ende, sondern der Neubeginn in einer vollendeten Wirklichkeit“. – Der 71-jährige Autor bringt sein persönliches Erleben des Alterns und der Beschäftigung mit dem näherkommenden Tod in die Darstellung ein, das stärkt Anschaulichkeit und Authentizität. Und durch den journalistischen Schreibstil ist das Buch für ein breites Lesepublikum gut zu lesen und zu verstehen. (Religiöses Buch des Monats November)
Thomas Steinherr
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Entdeckung der Ewigkeit
Peter Seewald
Herder (2025)
239 Seiten
fest geb.
Auszeichnung: Religiöses Buch des Monats