Thronerbe
Keine 100 Jahre nach der normannischen Eroberung Englands herrscht Bürgerkrieg, genauer: die herrschenden Adelsfamilien sind in zwei Lager gespalten. Die einen unterstützen Maude, die Tochter König Henry I., als Matilda die Frau des deutschen Kaisers
Heinrich V., die anderen stehen hinter König Stephen aus einer anderen Linie nach König William I., dem Eroberer. In diesem Umfeld wächst Henry als Maudes ältester Sohn aus der Ehe mit Graf Geoffrey Plantagenet von Anjou auf. Maude kämpft darum, dass Henry irgendwann den Thron besteigen kann. Schon bald zeichnet sich der junge Mann durch Machtwillen, Umsicht und kämpferische Fähigkeiten aus, bis hin zu einem sinnlosen Versuch, direkt in die Adelsauseinandersetzungen einzugreifen. Stephens Erbe Eustace dagegen zeigt eher grausame Züge und ungezügelten Machtwillen. Die Bevölkerung leidet immens, während die hohen Adeligen ihre Interessen zwischen den Lagern ausspielen und der französische König in diesem Gemenge kräftig mitmischt. Henry, der sich nach seiner Mutter Fitz Empress nennt, lernt Eleonore von Aquitanien kennen und lieben. Nach der Auflösung ihrer Ehe mit dem französischen König heiratet sie ihn. Dadurch hat Henry eine gute Ausgangsposition, bis ihn auch König Stephen als den geeigneteren Nachfolger ansieht. – Da das erste Kapitel des Buches mit „sechs Monate nach dem Ende des ersten Bandes“ („Thronräuber“: BP/mp 26/121) beginnt, benötigt ein Leser nur dieses Bandes längere Zeit, um sich in die Namen – viele Ähnlichkeiten und Gleichklänge sowie die weniger vertrauten englischen Bezeichnungen wie Henry statt Heinrich – und Ausgangslage einzulesen. Obwohl die Epoche spannend und die geschilderten Menschen plastisch sind, ist der Band darum nur als Fortsetzung von Teil 1 zu empfehlen.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Thronerbe
Sharon Penman ; aus dem Englischen von Julian Haefs
Heyne (2025)
[Die Plantagenet-Saga] ; [2]
703 Seiten : Illustrationen (farbig), Karte
fest geb.