Als wäre es Liebe

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive des Sohnes Benno und seiner Mutter erzählt. Benno ist Journalist und findet, als er die Wohnung seiner Mutter hütet, ihr Tagebuch und liest. Dabei lernt er eine ganz andere Frau kennen, als die Als wäre es Liebe distanzierte Mutter, die ihn als Kind verlassen hatte und ihm wenig Gefühle entgegenbrachte. Sie klammert sich an eine illusorische Liebe zu einem Mörder, der vier Frauen bestialisch umgebracht hat, verurteilt wurde und 49 Jahre im Gefängnis verbrachte. Sie hat ihn im Gefängnis besucht und bei seinen "Ausführungen" begleitet. Sie ist überzeugt, dass er keine Wahl hatte, "so wie sein Leben verlaufen ist". Ein Mann, der immer vergeblich Wärme und Zuneigung gesucht hat. Am Ende wird ihr klar, dass sie sich mit ihrer Liebe zu einem Mörder ebenso in die Isolation von der Gesellschaft begeben hat, wie der Mörder selbst. Sie hat etwas in ihm gesucht, wollte ihn retten. "Auf eine Art hat sie ihn missbraucht". - Am Beispiel der drei Protagonisten Benno, seiner Mutter und des Mörders zeigt der Autor auf, was die Verhältnisse, in denen ein Mensch aufwächst, aus ihm machen, und wie schwierig die Frage nach dem Ursprung des Bösen ist. Eine sehr subtile, feinfühlige Analyse für anspruchsvolle Leser.

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Als wäre es Liebe

Als wäre es Liebe

Nicol Ljubic
Hoffmann und Campe (2012)

223 S.
fest geb.

MedienNr.: 366313
ISBN 978-3-455-40420-3
9783455404203
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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