Das Jahr, in dem ich zwanzig wurde

Eine Einleitung, die neugierig macht: Die 20-jährige Annie verlässt ihre Familie in San Francisco, um in London zu arbeiten, frei und nur sich selbst gegenüber verantwortlich zu sein. Doch zwanzig Jahre später muss sie feststellen, "dass das genaue Das Jahr, in dem ich zwanzig wurde Gegenteil zutraf". Annie lebt inzwischen glücklich mit ihrem Mann Jonathan und den drei Kindern, bis ein unerwartetes Ereignis alles infrage stellt. Ein Foto, das Annie anonym erhält, zeigt sie vor 20 Jahren mit ihrem Londoner Chef und seiner Frau zusammen mit ihrem Geliebten auf den Klippen von Dover. Annie erinnert sich an diese Zeit, als ihr ältester 20-jähriger Sohn Robbie nach einem Autounfall ins Koma fällt. An ihn richtet sie ihre Lebensbeichte, die enthüllt, dass ihr glückliches Leben auf Lügen gegründet war. Diese Lebensbeichte ist sehr einfühlsam erzählt und spannend aufgebaut, die junge Annie wirkt naiv und unsicher und die Folgen sind so gravierend, dass die ältere Annie sich ihnen endlich stellen muss, um ihre Ehe und ihre Familie zu retten. Die gewählte Perspektive ist allerdings nicht völlig überzeugend, denn der Leser fragt sich immer wieder, warum die Mutter sich an den Sohn wendet, der inzwischen auch nicht mehr im Koma liegt, und versteht erst spät den Grund. Dennoch eine packende Beziehungsgeschichte über Lebenslügen und deren Folgen. (Übers.: Christel Dormagen)

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Das Jahr, in dem ich zwanzig wurde

Das Jahr, in dem ich zwanzig wurde

Jan Ellison
Insel Verl. (2015)

Insel-Taschenbuch ; 4293
339 S.
kt.

MedienNr.: 581738
ISBN 978-3-458-35993-7
9783458359937
ca. 14,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.