La Bella Vita
Im letzten Teil der Romantrilogie (1: GRM, BP/mp 19/683; 2: RCE, Besprechung online) erzählt Donatella genannt "Don", von den neu zu definierenden Freiheiten in der neuen europäischen anarchistischen Gesellschaft. Die alte bis dahin uns bekannte
Welt wurde durch einen von langer Hand geplanten Hackerangriff in Schutt und Asche gelegt. Nach der erfolgreichen Abschaltung des Großteils aller Technik steht das analoge Miteinander wieder im Vordergrund. In 93 Kapiteln, welche Überschriften tragen wie: "Jeder Mensch hat das Recht auf einen erholsamen Schlaf", "Der Boden gehört allen!", "Es gibt keine Nationalität, nur Zugehörigkeit durch Wahl" werden die Grundideen einer neuen Verfassung aufgezeigt. Die Menschen sind pazifistisch gestimmt, Diktatoren treten ohne Gegenwehr ab, Geld und Besitz spielen keine Rolle mehr, Tech-Oligarchen verschwinden, Wohnraum ist gerecht verteilt und das Miteinander ist positiv und menschenfreundlich. Langsam haben alle immer mehr Freizeit und man übt sich im Formulieren von Zukunftsplänen. Die Idylle in diesem Roman scheint zwar dem Menschen zugewandt, hat aber auch etwas von Zwangsbeglückung. Eine stille Grundzufriedenheit soll allen Mitbürgern ermöglicht werden. Eine wirkliche Handlung ist nicht erkennbar und ein Spannungsbogen baut sich nicht auf. Eine Stärke des letzten Teils der Trilogie ist die bissig-unterhaltsame Art, wie Sibylle Berg die krassen Fehlentwicklungen der Welt auf allen Gebieten anprangert: zerstörte Umwelt, zerstörte Gesellschaften, zerstörte Gehirne. Trotzdem konnte mich dieser Roman, nach anfänglichem Staunen, nicht fesseln und überzeugen. Die anderen Teile der Trilogie muss der Lesende übrigens nicht kennen, denn der Roman informiert in Rückblenden über das Nötige. Für sehr große Bestände und Lesende von Zukunftsfantasien.
Silvia Eilers
rezensiert für den Borromäusverein.
La Bella Vita
Sibylle Berg
Kiepenheuer & Witsch (2025)
410 Seiten
fest geb.