Kankos Reise
Die junge japanische Autorin gewann bereits 2020 einen Preis für ihren Debütroman "Idol in Flammen" (BP/mp 23/1027). Ihr neuer Roman wurde ebenfalls ausgezeichnet und beschreibt das Leben der depressiven 17-jährigen Kanko. Sie ist noch Schülerin
und steckt bis zum Hals in familiären Problemen: ihre Mutter ist alkoholkrank und leidet an den Folgen eines Schlaganfalls, der Vater ist gewalttätig. Ihre Brüder sind bereits von zuhause ausgezogen, sodass sie allein mit den extremen Belastungen klarkommen muss. Die Schule ist eine weitere Belastung für sie. Als die Großmutter stirbt und die ganze Familie zusammen zu deren Beerdigung fährt, gerät das ganze mühsam aufrecht gehaltene Gerüst endgültig ins Schwanken. – Ein berührender Roman, der sowohl Charaktere wie Episoden in Kankos Alltag schlicht und klar beschreibt und während des Lesens das Gefühl vermittelt, ein Teil davon zu sein. Ohne Pathos werden die Belastungen der Familienmitglieder beschrieben und in Beziehung zueinander gesetzt, sodass der Roman auf eine ganz eigene Weise eine Antwort auf die Frage findet, wie ein junger Mensch in Kankos Situation den Weg findet, sie selbst zu bleiben, ohne die anderen zu verachten oder sich abzuwenden. Sehr empfohlen!
Susanne Körber
rezensiert für den Borromäusverein.
Kankos Reise
Rin Usami ; aus dem Japanischen von Luise Steggewentz
Kiepenheuer & Witsch (2025)
168 Seiten
fest geb.