Meine Mutter
Die Autorin kommt zu einer Lesung aus ihrem erfolgreichen Buch "Meine Schwester" (BP/mp 22/471) nach Celle, wo ihre Großeltern gewohnt haben. Sie besucht deren ehemaliges Wohnhaus, an das sie Erinnerungen aus Kindertagen hat. Sie denkt an die beklemmende
Trauerfeier für ihre Mutter, die Selbstmord begangen hat, und beschließt endlich eine Erinnerungsreise nach Niederschlesien zu unternehmen, wo die Familie ursprünglich ihre Wurzeln hatte. In Wölfelsgrund (heute Miedzygórze) betrieb die Familie von 1884 bis zur Vertreibung 1946 ein erfolgreiches Sanatorium. Aus den überlieferten Familienerinnerungen rekonstruiert sie das Leben ihrer Mutter (Jg. 1936) von der verhätschelten Prinzessin über das Flüchtlingsmädchen zur unglücklichen Frau. Flitner spürt den schwarzen Schatten des Selbstmords in der Familie nach, beginnend bei den Urgroßeltern. Die familiären Verhältnisse sind kompliziert, aber Flitner schreibt mit klarer und präziser Sprache. Eine bewegende Familiengeschichte, der viele Lesern und Leserinnen zu wünschen sind.
Marion Sedelmayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Meine Mutter
Bettina Flitner
Kiepenheuer & Witsch (2025)
316 Seiten
fest geb.