Thanatopia
Was haben die Morde an zwei identischen Frauenkörpern in Wien im Jahre 2095 mit einer Lichterscheinung in der Ägäis, einer hoch geachteten Nobelpreisträgerin und einem exzentrischen Multimilliardär zu tun? Und was haben die „Thanatonauten“
(Menschen, die erforschen wollen, was nach dem Tod passiert) mit den Morden zu tun? Wer ist eine „reale“ Person und wer ist ein „Cogit“ (digitales Gehirn) in einem „Gefäß“ (geklonter Körper)? In einer Welt, die voller Hologramme ist, ist nichts so, wie es erscheint. Kommissar Landauer in Wien und die UNO-Agenten aus Sapporo müssen die Wahrheit Schicht um Schicht freilegen und hinter die Hologramme schauen, auch wenn es bis in den Orbit geht. Wer die beiden ersten Bände der Reihe („Hologrammatica“ nicht besprochen; „Qube“ BP/mp 20/659) gelesen hat, kennt sich in dieser Zukunftswelt aus. Sonst dauert es eine Weile, bis man sich im Fachjargon (gut, dass es ein Glossar gibt), bei den Protagonisten und der Umgebung zurechtfindet. Diese beängstigende Welt ist von Klimaproblemen und politischen Machtspielchen geprägt. In den meist nur wenige Seiten umfassenden Szenen wechselt die Perspektive ständig, was Konzentration beim Lesen erfordert. In Gesprächen werden die Themen KI, Ethik, Philosophie und das Leben nach dem Tod diskutiert. Insgesamt ist der durchaus packende Science-Fiction-Thriller keine leichte Kost.
Angela Hagen
rezensiert für den Borromäusverein.
Thanatopia
Tom Hillenbrand
Kiepenheuer & Witsch (2025)
379 Seiten
kt.