Mirabellentage

Viele Jahre lang hat die inzwischen 50 Jahre alte Anna ihrem Jugendfreund Josef, der in einem kleinen bayerischen Dorf die Pfarrstelle innehatte, den Haushalt geführt. Nach seinem plötzlichen Tod steht sie, deren Leben bisher vom langsamen dörflichen Mirabellentage Rhythmus bestimmt wurde, vor großen Herausforderungen. Da ist der junge Pfarrer, der sehr schnell die Pfarrstelle übernimmt und dessen ostfriesischen Dialekt kaum jemand versteht, was zu vielerlei Spekulationen bei den dem Tratsch nicht abgeneigten Dorfbewohnern führt. Anna, die mit ihrer freundlichen und zupackenden Art die Seele des Dorfes ist, weiß plötzlich nicht mehr, wie es unter den veränderten Bedingungen mit ihr weitergehen soll. Doch die größte Herausforderung ist Josefs letzte, ziemlich ungewöhnliche Bitte, die sie unbedingt erfüllen will. Doch wie soll sie, die trotz des Führerscheinerwerbs vor vielen Jahren keinerlei Fahrpraxis hat, mit Josefs Asche quer durch Deutschland fahren, um sie dann im Meer zu verstreuen? In zahlreichen kleinen Episoden und humorvollen Anekdoten und in vielen Rückblenden erzählt die Autorin auf überzeugend warmherzige Weise vom dörflichen Leben, das trotz seiner durchaus vorhandenen Beschaulichkeit auch einige Herausforderungen bereithält. Die Reise ans Meer, die sie zum Glück nicht alleine antreten muss, befreit Anna von vielen Unsicherheiten und lässt sie erkennen, wo sie wirklich hingehört. Der stimmungsvolle Roman wirkt in seiner bedächtigen Erzählweise ein wenig aus der Zeit gefallen und ist gerade deswegen sehr empfehlenswert.

Angelika Rockenbach

Angelika Rockenbach

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Mirabellentage

Mirabellentage

Martina Bogdahn
Kiepenheuer & Witsch (2026)

336 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 624237
ISBN 978-3-462-01354-2
9783462013542
ca. 23,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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