Das Lächeln des Elefanten
Pietro ist Hausmeister in einem Mailänder Mietshaus. Er versteht sich gut mit den Bewohnern. Seine Geschichte erfährt der Leser aus Rückblicken: Pietro war Priester in Rimini und hatte ein heimliches Verhältnis mit einem Mädchen aus dem Ort. Dass
aus dieser frühen Liebe ein Sohn hervorging, erfuhr er erst vor Kurzem durch einen Brief: Er gibt sein Priesteramt auf, hadert mit Gott und geht nach Mailand, um in dem Haus, in dem sein Sohn wohnt, Hausmeister zu sein und alles über sein Leben zu erfahren. Niemand kennt sein Geheimnis. Sohn Luca ist Arzt, verheiratet und hat eine kleine Tochter. Aber die Ehe ist nicht glücklich, und Luca kann sich nur schwer mit dem Sterben seiner kleinen Patienten abfinden. Pietro begleitet ihn oft an die Krankenbetten, sie werden Vertraute und Luca ahnt die Wahrheit, aber bis zum dramatischen Schluss wird Pietro sie nicht aussprechen. In einer leisen, ruhigen Sprache wird die Geschichte von Pietro, aber auch die der anderen Bewohnern erzählt. Da gibt es einen Vater mit schwerstbehindertem Sohn, eine Mutter mit einem geistig behinderten Sohn und sterbende Kinder - viele schwere Schicksale, die Luca sehr belasten, der sich als Arzt für seine sterbenskranken Patienten einsetzt - bis hin zur Sterbehilfe aus Barmherzigkeit. Pietro ist der, durch dessen Augen der Leser all diese Charaktere wahrnimmt. Man kann ihn wirklich als die gute Seele des Hauses bezeichnen, der trotz seiner Abkehr von Gott immer noch ein Stück Priester in sich trägt und für die Menschen da ist, am meisten natürlich für seinen Sohn. Ab mittleren Beständen empfohlen. (Übers.: Esther Hansen)
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Lächeln des Elefanten
Marco Missiroli
List (2013)
251 S.
fest geb.