Das verschenkte Bauernkind
Das Buch fügt sich stilistisch in die Reihe der zahlreichen anderen lebensgeschichtlichen Schilderungen von Roswitha Gruber ein. Grundmuster sind stets ein historischer und sozialer Hintergrund im frühen und mittleren 20. Jh. aus dem Leben im deutschsprachigen
ländlichen Raum. Motive sind häufig verstoßene und misshandelte Kinder und Frauen, familiäre Geheimnisse, Armut, Schande, starke emotionale Bindungen an Herkunft und Familie und dokumentarisch und autobiografisch inspirierte Stoffe. Für diesen Band wünschte sich eine Seniorin aus der Steiermark die Niederschrift ihrer lebenslangen Identitätssuche. Diese literarisch anspruchslose Milieuschilderung des historischen Phänomens der Weggabe eines Kindes aus wirtschaftlicher Not und Überforderung ist aus allen Kulturen bekannt. – Bäuerliche Schicksalserzählungen befriedigen emotionale, kulturelle und historische Bedürfnisse für eine treue Leserschaft, die familiäre Wurzeln auf dem Land haben und sich wiedererkennen. Frau Gruber verdient Achtung für die Erinnerung und Bewahrung von Dialekten, sozialen Regeln, religiösen Ritualen und Arbeitsweisen in einer Lebensform, die fast verschwunden ist. Solche dokumentierten historischen Zeugnisse haben Frauen- und Kinderschutz befördert. Echte Spannung flackert nur ab und an auf wegen oft voraussehbarer Handlungsstränge. Empfehlenswert für alle Bestände.
Gudrun Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das verschenkte Bauernkind
Roswitha Gruber
rosenheimer (2026)
274 Seiten
fest geb.