Margret
Die Autorin lässt die Hauptperson zu großen Teilen selbst erzählen. Die 1943 geborene Margret schildert also ihr Leben, das Leben ihrer Eltern und Geschwister und das der überaus zahlreichen Verwandtschaft. Vor allem die Großeltern hatten viele
Kinder, das hilft oft in schweren Zeiten. Und nach dem 2. Weltkrieg war es in Südtirol nach wie vor schwierig für die deutschsprachigen Bewohner. Die von den Faschisten nach dem 1. Weltkrieg vorangetriebene Italianisierung wirkte sich noch immer aus. Südtiroler wurden in allen Bereichen benachteiligt, weshalb es ab den 1950er Jahren erste Anschläge gab. Margret erfährt immer wieder Einzelheiten über die Aktivitäten der heimatverbundenen Menschen. Von ihren Tanten waren einige in die gefährlichen Aktivitäten verwickelt. Auch von der leidigen Option wurde noch viel geredet. Trotz einer gewissen Normalität gärte es insgeheim; 1961 inszenierte dann der BAS (Befreiungsausschuss Südtirol) am Herz Jesu Sonntag eine konzentrierte Anschlagserie hauptsächlich auf die Stromversorgung der Industriezone in Bozen. Margret sagt, sie wisse nicht, ob und in welchem Umfang ihre Verwandten bei den Aktionen beteiligt waren. Der Roman beschäftigt sich in der Hauptsache mit den Familien von Onkeln, Tanten, Geschwistern; deren Lebensläufe, Schicksalsschläge, Kümmernisse und auch erfreuliche Begebenheiten werden sehr ausführlich beschrieben. Die politischen Ereignisse, auch und gerade in den 1960er und 1970er Jahren, werden wenig thematisiert. Es ist halt die Geschichte der Margret, die ihr Leben mit allen Höhen und Tiefen erzählt. Insofern steht sie sicher beispielhaft für viele Zeitgenossinnen in Südtirol. Der Roman ist eine weitere Geschichte der beliebten Autorin über Frauenschicksale im tirolerisch-bayerischen Raum. Für die Leserschaft dieses Genres ist das Buch sehr gut geeignet.
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Margret
Roswitha Gruber
rosenheimer (2024)
259 Seiten
fest geb.