Die Summe unseres Glücks
Der Roman beginnt 1981: Die vier Protagonisten haben in ihrer bretonischen Heimat Abitur gemacht, sind begeistert von der Wahl des Sozialisten Mitterand zum Präsidenten und verlassen die provinzielle Enge ihrer kleinen Heimatstadt. Vier verschiedene
Lebenswege lassen die Geschichte einer Epoche deutlich werden und vermitteln ein Bild der französischen Gesellschaft. Die allgemeine gesellschaftliche Stimmung ist von übermäßig großen Erwartungen getragen. In derselben befinden sich auch die vier Freunde, die alle große Pläne haben: Rodolphe will Politiker werden, Tanguy wird erfolgreicher Manager, Benoît Fotograf und Paul, aus dessen Perspektive größtenteils erzählt wird, wird Schauspieler. Er hat sich am schwersten getan, seinen Weg zu finden: das Eingeständnis seiner Homosexualität war ein schwieriger Schritt. Dementsprechend beschreibt der Autor diese Selbstsuche und -findung in allen sexuellen Details. In epischer Breite folgt der Autor den Freunden auf ihrer persönlichen Suche nach Erfolg und Glück und auf ihrer Desillusionierung über den Verfall von Idealen. In einem zweiten Teil, der mit der Wahl Hollandes 2012 endet, treffen sich die Freunde nach drei Jahrzehnten wieder und der Leser erfährt, wie ihr Leben - ihr Streben nach Glück - verlaufen ist. - Roux verknüpft den Verlust der individuellen Hoffnungen mit dem Niedergang des Landes. Dies geht auch aus dem Originaltitel ("Das gesamte nationale Glück") besser hervor als aus der Übersetzung. Geduldige Leser werden von der faszinierenden Analyse des gesellschaftlichen Wandels in Frankreich mitgerissen werden. (Übers.: Elsbeth Ranke)
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Summe unseres Glücks
François Roux
Piper (2015)
634 S.
fest geb.