Der schmale Pfad durchs Hinterland
Der Australier Dorrigo Evans, begabter Chirurg mit glänzender Zukunftsprognose, meldet sich, als der Zweite Weltkrieg auch Australien erreicht, zum Militär. Er gerät in japanische Kriegsgefangenschaft und wird beim Bau der "Burma Death Railway"
eingesetzt, der berüchtigten Todesbahn durch den Dschungel von Burma. Als Arzt im Gefangenenlager kümmert er sich um die Krankheiten der von den Japanern mit unvorstellbarer Grausamkeit behandelten Kriegsgefangenen, die den ganzen Tag hart arbeiten müssen und kaum etwas zu essen bekommen. Daneben quält ihn die Erinnerung an die Liebe zu Amy, der jungen Frau seines Onkels, mit der er zwei Jahre bevor er in den Krieg zog, eine leidenschaftliche Affäre hatte, obwohl er schon mit Ella verlobt war, einer attraktiven Frau aus besten Melbourner Kreisen. Als er im Lager einen Brief von Ella erhält, in dem sie ihm mitteilt, dass Amy bei einer Gasexplosion zusammen mit ihrem Mann ums Leben gekommen sei, kann er es nicht glauben. Evans überlebt den Krieg, kehrt zurück nach Australien und heiratet Ella, zu der er aber keine richtige Liebe empfindet und die er ständig mit anderen Frauen betrügt. Die Erinnerung an Amy lässt ihn, der als Chirurg Karriere macht, sein ganzes Leben nicht mehr los. - Richard Flanagans mit dem Booker Prize ausgezeichneter, auf historischen Tatsachen basierender Roman schildert eindringlich das unermessliche Leiden als Sklavenarbeiter missbrauchter Kriegsgefangener. Daneben rückt er die leidenschaftliche Liebe eines Mannes zu der Frau seines Lebens ins Zentrum seiner Geschichte. Ein düsteres poetisches Werk, das ohne jegliches Kriegs-Pathos die Schrecken des Krieges drastisch, mitunter auch abstoßend, vor Augen führt. Lesenswert für nervenstarke Leser zeitgeschichtlicher Stoffe mit Freude an der Darstellung persönlicher Entwicklungen. (Übers.: Eva Bonné)
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der schmale Pfad durchs Hinterland
Richard Flanagan
Piper (2015)
437 S.
fest geb.