Die unbekannte Terroristin
Gina Davis arbeitet als Stripperin im Nachtclub Chairman's Lounge in Sydney. Zufällig lernt sie am Strand einen Mann kennen, mit dem sie in seiner Wohnung eine Nacht verbringt. Als sie aufwacht, ist Tariq verschwunden und im Fernsehen kommen ständig
Berichte, dass nach ihm gefahndet wird. Tariq soll ein Terrorist sein. Auf den Aufzeichnungen der Überwachungskamera vor Tariqs Wohnung ist auch Gina zu sehen, weshalb auch nach ihr als Komplizin gefahndet wird. Gina hat große Angst und weiß nicht, was sie tun soll. Sie traut sich nicht zur Polizei zu gehen, denn sie ist überzeugt, dass man ihr kein Wort glauben wird. Sie versteckt sich in einem schäbigen Hotel, doch ihr wird klar, dass die einmal angelaufene gigantische politische und mediale Maschinerie nicht mehr zu stoppen ist. - Richard Flanagans neuer Roman widmet sich dem hochaktuellen Thema der von sensationslüsternen Massenmedien erzeugten Terrorangst. Daneben führt der Autor drastisch vor Augen, wie leicht das Leben einer unschuldig in Verdacht geratenen unbescholtenen Person durch sensationsgierige Angstmache der Medien, opportunistische Politiker und einen unkontrollierten Polizeiapparat zerstört werden kann. Der Roman ist atmosphärisch dicht und, trotz zahlreicher Redundanzen bei der Schilderung des Zwiespalts seiner Protagonistin, äußerst spannend. Flanagans Stil ist schnörkellos, die Sprache einfach, manchmal aber recht drastisch. Das Buch ist empfehlenswert für aufgeschlossene Leser psychologisch motivierter Darstellungen. (Übers.: Eva Bonné)
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die unbekannte Terroristin
Richard Flanagan
Piper (2016)
330 S.
fest geb.