Das einzige Paradies
Frieda Troost lebt heimlich in dem längst geschlossenen Hotel, in dem sie zeitlebens als Mädchen für alles tätig war. Getreulich geht sie weiterhin ihren Pflichten als Zimmermädchen nach, obwohl die Besitzerin längst verstorben und das Hauptportal vernagelt ist. Bei ihren Bemühungen kommen ihr immer wieder die alten Gäste und ihre Eigenarten in den Sinn. Eine junge afrikanische Asylantin okkupiert ebenfalls das Gebäude als ihren Wohnsitz und verschreckt dabei die alte, vergessliche, eventuell auch demente Frau, die deutliche Abneigung gegen Ausländer hat. Ein Zimmerbrand bringt letztlich ihr heimliches Leben ans Licht, genauer: die wenigen verbliebenen Nachbarn bemerken ihre Anwesenheit und sorgen für ihre Unterbringung in einem Altersheim. - Die Autorin koppelt zwei Themenkomplexe: beginnende Demenz und vehemente Ablehnung von fremden Menschen. Eingehend beschreibt sie die Rituale, mit denen ihre Protagonistin gegen die Veränderungen ankämpft, mit denen sie die alten Zeiten erhalten will, obwohl sie längst in bitterer Armut lebt; ebenso die Gefühle, die Frieda dem Eindringling entgegenbringt, von Angst und Hass bis zu einem moderaten Miteinander. Insgesamt zeigt das Buch eine interessante Perspektive auf zwei tagesaktuelle Probleme und regt damit zum Nachdenken an.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das einzige Paradies
Astrid Sozio
Piper (2016)
325 S.
fest geb.