Alle wissen hier alles

Martina lebt mit ihrer Tochter Annalena allein im geerbten Haus der Großmutter und hält den Kindsvater, der seine Rolle nur allzu gern und gut auszufüllen wüsste, soweit es geht auf Abstand. Ihren Lebensunterhalt verdient sich Martina durch diverse Alle wissen hier alles Putzstellen und beiläufig erfährt man, dass die Ich-Erzählerin als 12-jähriges Mädchen missbraucht wurde und sie nur die Sorge um das Kind im Kindergartenalter den Alltag bestehen lässt. Als sie bei Kasia, der Mutter einer Kindergartenfreundin, Danuta, blaue Flecken bemerkt, überredet sie sie kurzerhand, bei ihr mit der Tochter einzuziehen, um sie vor dem gewalttätigen Ehemann zu schützen. Die zwei Mütter und zwei Mädchen werden nun ein gutes Wohngemeinschaftsteam und Martina hat einen weiteren Fluchtpunkt der Fürsorge, der sie vor dem Blick auf sich selbst bewahrt. Zunehmend werden die Frauen im Dorf misstrauisch beäugt, gemieden und schließlich drangsaliert. In Verbindung mit den beiden Vätern, die in Sorge und mit Druck deren Leben zunehmend verunsichern, gerät das Wohnquartett in Bedrängnis und das Zusammensein droht in surrealem Chaos auseinanderzubrechen. – Vieles der Erzählung bleibt unklar, da das Geschehen einzig aus der personalen Perspektive Martinas berichtet wird. So bleibt fraglich, ob Kasia wirklich misshandelt wurde und wer letztlich wessen Opfer ist. Der Roman zeichnet letztlich das Psychogramm einer verletzten Frau, die es nicht mehr schafft, auf sich selbst aufzupassen. Eine zunehmend irritierende, zugleich aber flüssig und leicht lesbare Geschichte.

Christine Vornehm

Christine Vornehm

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

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Mareike Krügel
Piper (2024)

202 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 753714
ISBN 978-3-492-06093-6
9783492060936
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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