Das Bettelmädchen
Dieser biografische Roman um Schwester Henriette Arendt (genannt Schwester Henny), die zu Beginn des 20. Jh. als Polizeiassistentin in Stuttgart arbeitete, ist kein Kriminalroman im erwartbaren Sinn. Schwester Hennys Bemühen um der Verwahrlosung preisgegebene
Kinder und Familien wird durch Bürokratie und die Überheblichkeit der Verantwortlichen untergraben. Das Beispiel der 12-jährigen Sophie zeigt, dass Mädchen zu jener Zeit verkauft werden, an Männer, für die sie dann stehlen, betteln und Schlimmeres tun müssen. Die Polizei kümmert sich um diese Fälle nicht, sind doch diese Mädchen als Streuner bekannt und damit an ihrer Situation selbst schuld. Generell sind vor allem alleinstehende Frauen und solche, die ihre Familien alleine durchbringen müssen ständig männlicher und behördlicher Willkür ausgesetzt. Zum Ende des Romans hält Schwester Henny den Schikanen nicht mehr stand. Sie steht jedoch nicht alleine da, sondern wird von mutigen Frauen und dem guten Polizisten Ferdinand Ganghofer unterstützt und fasst ein neues Ziel ins Auge. Ein Roman, der einen sehr nachdenklich zurücklässt und breit empfohlen werden kann. Eine Fortsetzung soll im September erscheinen.
Elke Wachner
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Bettelmädchen
Helene Winter
Piper (2026)
Henriette Arendt ermittelt ; 1
375 Seiten
kt.