Die perfekte Freundin
Jillian ist eine laute, fast exzentrische Frau mit kunsthandwerklichen Ambitionen. Seit vielen Jahren trifft sie sich mit Weston Babarsky dreimal wöchentlich zum Tennis und zu Gesprächen. Baba ist ein Mann, der sich und alle Dinge vielfach hinterfragt.
Er verliebt sich in Paige und will sie heiraten. Als Bedingung stellt sie, dass er die Beziehung zu Jillian einstellt. Das kann er der Tennispartnerin nicht verständlich machen, da man sich gesellschaftlich öfter trifft. Sie schenkt dem Paar zur Hochzeit sogar den kunstvollen Leuchter, der ihre Lebenssituationen en miniature widerspiegelt, obwohl sie gar nicht zur Hochzeit eingeladen wird. Das monströse Gebilde steht im Wohnzimmer des Paares und wird von ihren anderen Bekannten allseits gelobt. Sie richten sogar ihre Wohnung danach aus. Jillian will nach der Trennung irgendwann den Leuchter zurück. Doch Paige ist nun diejenige, die ihn keinesfalls mehr hergeben will. - Die tatsächlichen Geschehnisse sind für den Verlauf des Romans gar nicht entscheidend, vielmehr geht es um das komplizierte Innenleben des männlichen Protagonisten, der im Endeffekt zwischen zwei grundverschiedenen Lebensstilen von zwei Frauen steht. Und beide erleben möchte: Die Vertrautheit mit der einnehmenden Jillian und die bürgerliche Häuslichkeit mit Paige. Ganz interessant zu lesen.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die perfekte Freundin
Lionel Shriver ; aus dem Amerikanischen von Christine Richter-Nilsson
Piper (2020)
156 Seiten
fest geb.