Die Letzten werden die Ersten sein
Zwangspensioniert wegen angeblich rassistischem Verhalten, beschließt Remington Alabaster, auf einen Marathon hin zu trainieren. Seine Frau Serenata sieht es mit gemischten Gefühlen, machte sie doch zeitlebens Ausdauersport, ist aber durch Arthrose
nunmehr daran gehindert. Wider Erwarten hält der untrainierte Mann sein hartes Trainingspensum durch. Sehr zum Missfallen seiner Frau startet er tatsächlich, schafft als Letzter die Strecke und lernt Coach Bambi Buffer kennen. Hatte Serenata noch die Hoffnung, Remington höre jetzt auf, überzeugt ihn die Trainerin, er müsse sich einer Gruppe anschließen, die auf den Mettleman-Triathlon hinarbeitet. Spätestens ab diesem Zeitpunkt dreht sich das Familienleben nur mehr um Training und Leistung... - Wie distanziert die Autorin extremen Ausdauersport sieht, wird besonders deutlich im mit "Nachwort" betitelten letzten Kapitel, das zusammengerafft die weitere Entwicklung aller Beteiligten beschreibt. Den Aspekt Religionsersatz stellt sie pointiert dar, indem sie die Tochter des Paares als Anhängerin einer fundamentalistischen Kirche einführt, die ebenso wie ihr Vater indoktrinierte Floskeln von sich gibt. Ein drittes - offenbar Amerika sehr bewegendes - Thema schneidet sie an: kulturelle Aneignung. Bei Serenata ist es die Fähigkeit, amerikanische Dialekte perfekt zu sprechen, auch die von People of Color, was sie den Job als Synchronsprecherin kostet. - Ungewöhnlicher, aber interessanter US-Gesellschaftsroman.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Letzten werden die Ersten sein
Lionel Shriver ; aus dem amerikanischen Englisch von Bettina Abarbanell und [einem weiteren]
Piper (2022)
431 Seiten
fest geb.