Der Klang von Licht
Ein vollendeter Suizid und zwei gescheiterte Versuche, Adoptivkinder und zerbrochene Familien - in diesem Labyrinth scheinen die Protagonisten des Romans nur den Launen des Schicksals ausgeliefert zu sein: der Frauenheld Jean-Pierre, als Notfallchirurg
vom Chefarzt gefördert, bis er versagt und in eine psychiatrische Einrichtung versetzt wird; Juliette und Elodie, deren Suizidversuche scheitern und deren Begegnung mit Jean-Pierre zur besonderen Herausforderung wird; der Chefarzt und Förderer Jean Pierres, der sich als dessen Vater zu erkennen gibt. Alle scheinen unglücklich in ihrem bisherigen Leben gefangen, bis die äußere Schale zerbricht und sie sich in einem neuen Lebensentwurf wiederfinden. Insoweit ist der Untertitel "Vom Verschwinden und sich Finden" berechtigt. Zunächst erscheint der Roman fast wie eine Therapiestunde für alle, die sich irgendwann in ihrem Leben verloren haben. Im besten Fall hilft ihnen der Roman dabei, diesen Punkt zu identifizieren und sogar den Weg zu ihrer authentischen Persönlichkeit zu finden. Dann kippt dieses Vorgehen und die Autorin trägt sehr dick bei den gefühlvollen Momenten auf, wenn plötzlich aus einem unglücklichen Leben alles Dunkel durch strahlenden Glanz ersetzt wird. Trotz dieser Einschränkung psychologisch Interessierten zu empfehlen.
Lotte Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Klang von Licht
Roman
Piper (2022)
285 Seiten
fest geb.