Das Verschwinden der Welt
Das große Haus am Fluss, in dem Martha nach dem Tod ihrer demenzkranken Mutter einen Neuanfang sucht, hat schon viel gesehen und erlebt. Martha fühlt sich dort direkt wohl und schließt schnell Kontakt zu den wenigen verbliebenen Bewohner:innen,
allen voran Herrn Yi und seiner Frau, der Dichterin, die seit Jahren auf die Rückkehr ihres verschollenen Sohnes warten. Das ohnehin fast leere Haus verschwindet zunehmend, ganze Etagen lösen sich scheinbar in Luft auf. Eines Tages erhält Martha den Räumungsbefehl für ihre Wohnung, doch sie möchte dieses alte Haus, in dem sie sich so wohl fühlt, nicht verlassen, und versucht, die Mitbewohner zum Protest zu bewegen. – Zwischen Traum und Wirklichkeit beschreibt Lin Hierse die Vergänglichkeit und den Schmerz des Loslassens sowie die Unausweichlichkeit der Veränderung gegen jeden Widerstand. Poetisch und einfühlsam ist der Roman gut geeignet für literarisch anspruchsvolle Leser:innen.
Martina Häusler
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Verschwinden der Welt
Lin Hierse
Piper (2024)
248 Seiten
fest geb.