Hier, am Ende der Welt, lernen wir tanzen
In Buenos Aires besucht ein alter Mann mit seiner Enkelin jahrelang das Grab einer Frau namens Louise, bis er stirbt und neben ihr bestattet wird. Seine Witwe erfährt dadurch, dass ihr Mann Louise regelmäßig besucht hat, um mit ihr zu tanzen. Zwei
Generationen später verliebt sich seine Enkelin Rosa in einen Studenten namens Lionel, bringt ihm ihre Leidenschaft für Tango bei und erzählt ihm die Geschichte der großen Liebe ihres Großvaters Schmidt, eines Klavierstimmers und Musikalienhändlers, zu der Neuseeländerin Louise, die sich beide 1916 vor den Wirren des Ersten Weltkriegs in einer Höhle vor den neuseeländischen Behörden versteckten. Um sich die Zeit zu vertreiben, tanzen sie Tango und verlieben sich. Aber er flieht nach Argentinien, und sie heiratet einen Jugendfreund. Jahre später trifft Louise den inzwischen verheirateten Schmidt in Buenos Aires wieder, wo sie weiter heimlich Tango tanzen. Eine große unerfüllte Liebe, die ein Leben lang hält. Rosas Situation ist der Louises ähnlich: Auch sie ist in einem fremden Land, ohne in der Sprache zu Hause zu sein. Und auch sie wird hoffnungslos geliebt von dem jungen Mann, dem sie Tango-Tanzen beibrachte. Melancholisch wie der Tanz schreibt der Autor von "Mister Pip" in seinem neuen Roman von der Faszination des Tangos. (Übers.: Grete Osterwald)
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Hier, am Ende der Welt, lernen wir tanzen
Lloyd Jones
Rowohlt (2014)
300 S.
fest geb.