Die Knochenuhren

Fünf Erzähler, sechs Jahrzehnte, verschiedene Handlungsstränge: der britische Autor David Mitchell greift noch einmal das gleiche Prinzip auf wie in seinem Roman "Der Wolkenatlas" (BP 07/118). Die ersten Kapitel führen die Protagonisten ein: 1984 Die Knochenuhren entflieht die 15-jährige Holly Sykes ihrer elterlichen Heimat im englischen Gravesend. Im zweiten Kapitel folgt der Leser 1991 dem Leben des Cambridge-Studenten Hugo Lamb, dann 2004 steht der Kriegsreporter Ed Brubeck, mit Holly verheiratet, im Mittelpunkt. Die weiteren Kapitel erzählen 2015 von einem Schriftsteller, 2025 geht es um das "Labyrinth der Horologen" und 2043 findet die Apokalypse statt. Alle Protagonisten werden als Sterbliche, Anachoreten oder Horologen zusammengeführt. Horologen können den Körper wechseln, sie leben "unfreiwillig im Kreislauf der Auferstehung", d.h. sie kehren immer wieder in neue Körper zurück, sind "Überzeitliche". Anachoreten "ernähren sich von Seelen" und sind zwar sterblich, aber altern nicht. Die letzten 300 Seiten erzählen die Geschichte der Anachoreten und Horologen und ihren Krieg, der erst 2043 endet. Holly überlebt in einer verseuchten kaputten Welt mit ihren Enkeln. - Der umfangreiche Roman ist Gesellschaftskritik, Satire auf Verlagswesen und Fantasy-Thriller in einem. Es geht um den Kampf des Guten (Horologen) gegen das Böse (Anachoreten). Alle Fäden laufen bei Holly zusammen. Einige Längen ermüden den von 800 Seiten angestrengten Leser. Für an fantastischen Geschichten interessierte Leser eine faszinierende Lektüre. (Übers.: Volker Oldenburg)

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Knochenuhren

Die Knochenuhren

David Mitchell
Rowohlt (2016)

811 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 585388
ISBN 978-3-498-04530-2
9783498045302
ca. 24,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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