Die kleinsten, stillsten Dinge

Der Ich-Erzähler Ray, ein Mann Ende fünfzig, lebt als Außenseiter im alten Haus seines Vaters, der vor Kurzem gestorben ist, und den er auf dem Dachboden "hinduistisch" beerdigt hat. Das Dorf liegt zwischen einem Kraftwerk, einer Ölraffinerie und Die kleinsten, stillsten Dinge einem Naturschutzgebiet. Er meidet die Menschen, "verriegelt die Türen vor der Welt", hält sich und das Haus, das sein "sicherer Platz" ist, aber halbwegs sauber. Er lässt "das Leben über mich hinweggehen". Umso aufmerksamer beobachtet er die Umgebung: Pflanzen, Insekten, nimmt Gerüche und Geräusche wahr. Eines Tages sieht er in einem Trödelladen die Anzeige, dass im Tierheim ein Hund abzugeben ist. Er nimmt den hässlichen, einäugigen Mischling zu sich und hat von da an ein Gegenüber, mit dem er spricht, das er anspricht. Aber: "Es war falsch, dir etwas von meiner Menschlichkeit überstülpen zu wollen - schließlich hat es mir nie viel gebracht, ein Mensch zu sein." (S. 46) Er zeigt Einauge das Haus, erklärt ihm, was er machen darf und was nicht. In beiden sitzt eine Traurigkeit, beide haben Angst vor Unbekanntem. Als Einauge während des Spaziergangs einen kleinen Jungen beißt und die Mutter wütend das Einschläfern des Hundes fordert, verbarrikadieren sie sich zunächst im Haus. Doch dann fliehen sie vor den Behörden: Alle notwendigen Dinge werden ins Auto gepackt, und sie "fahren, fahren, fahren" - monatelang, in denen Ray alles mit Einauge teilt, vor allem seine Gedanken und Erinnerungen. Ein stilles Buch, eine ergreifende melancholische Geschichte, die viel über Einsamkeit und über die irische Landschaft aussagt. Sehr empfohlen. (Übers.: Dirk van Gunsteren)

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Die kleinsten, stillsten Dinge

Die kleinsten, stillsten Dinge

Sara Baume
Rowohlt (2016)

283 S.
fest geb.

MedienNr.: 587235
ISBN 978-3-498-05811-1
9783498058111
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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