Die Theorie vom Marmeladenbrot
2006 gilt das Internet hauptsächlich als "Rückzugsort für Jugendliche", ein Ort für "Sozialphobiker". Christophe, Online-Journalist mit kleinem Sohn, will das ändern. Er sucht Investoren für seine seriöse Internet-Plattform Vox, auf der er den
"Journalismus neu ... erfinden" will. Er soll einen Bericht über die neue Website "youporn" mit Sexvideos schreiben und entdeckt einen privaten Sex-Film mit einer Frau, die er zu kennen glaubt. Marianne, Bloggerin und Ewig-Studentin, hat sich von ihrem Freund getrennt, der aus Rache ihre Sexspiele bei youporn eingestellt hat. Christophe und Marianne beginnen zu chatten und holen sich noch den jungen Hacker Paul in ihren Chatroom, denn sie wollen etwas gegen unerlaubte Privatvideos unternehmen. Das Internet soll ein anonymer Raum mit scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten bleiben. Paul ist finanziell von seinen Eltern abhängig, die ihn dermaßen nerven, dass er seinen Alltag fast komplett in die virtuelle Welt verlegt hat. Die drei werden Freunde, treffen sich auch IRL (in real life=im wirklichen Leben). Der zweite Teil des Buches spielt 2015; Christophe ist gut bezahlter Redakteur geworden und hat seine Träume zugunsten seiner Familie aufgegeben, Marianne und Paul lehnen nach wie vor reguläre Arbeit ab und sind "Sozialkrüppel". Sie sind im realen Leben angekommen und müssen erkennen, dass es ihnen nicht gelungen ist, "die Welt zu verbessern". - Witzig und pointiert erzählt die Autorin z.T. über ihre eigenen Erfahrungen, besorgt über die Entwicklung des Internets. Das Leben der drei Freunde wird z.T. in Chat-Protokollen beschrieben. Für Leser, die mit der Geschichte der Entwicklung des Internets auf leichte Art unterhalten werden möchten. (Übers.: Stefanie Schäfer)
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Theorie vom Marmeladenbrot
Titiou Lecoq
Ullstein (2016)
341 S.
fest geb.