Insel der Ratten
Eine schreckliche Pandemie hat die Welt fest im Griff. Es gibt nur einen scheinbaren Ausweg. Einige reiche Bürger werden auf die Insel der Ratten ausgeflogen. Darunter der schwerreiche Unternehmer Colin Lowe mit seiner Familie. Nur sein Sohn Brad
bleibt zurück und stiftet mit seiner Bande viel Unruhe. Unteranderem bei Will – einem Freund und Kollegen von Colin. Brad vergeht sich an der Tochter von Will. Auch die Frau von Will wird nicht verschont. Will verspürt nur noch Wut und will sich rächen. – Insgesamt ein erschreckend glaubwürdiges Szenario. Der Autor beleuchtet ein und dieselbe Situation aus zwei verschiedenen Sichtweisen. Dabei kommt nicht nur einmal die Frage auf, was geschieht, wenn Gerechtigkeit nichts mehr wert ist. Wie weit darf jemand gehen, um seine Familie zu schützen? Allgemein befindet sich die Gesellschaft im Roman auf einem schmalen Grat zwischen Menschlichkeit und dem Drang zu überleben. Es wird viel Energie verwandt, um die vorherrschende Brutalität und Gesetzlosigkeit zu beschreiben. Leider geschieht dies auf Kosten der Beschreibung der Charaktere. Diese kommt leider zu kurz, um wirklich eintauchen zu können. Aber allgemein ein guter Roman über ein allzu schmerzlich bekanntes Thema, das die Auswirkungen aufzeigt, wenn es überhaupt kein Recht und keine Ordnung mehr gibt.
Corinna Meierhöfer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Insel der Ratten
Jo Nesbø ; aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob
Ullstein (2026)
203 Seiten
fest geb.