Das erste Licht des Sommers
Im Jahr 1947 kommt die erste Tochter von Guido Casadio zur Welt, zeitgleich die seines Zwillings Dolfo, Norma und Donata. Auf über 400 Seiten folgt nun neben beider Biografien ein lebendiger bunter Reigen von Geschichten und Mythen um die Casadios,
von denen einzelne von ihren Ahnen aus dem Fahrenden Volk seherische Fähigkeiten geerbt haben. Donata stirbt schon als junge Frau, ein erster Teil ihrer aus den Tarockkarten gelesenen Weissagung hat sich damit erfüllt. So widmet sich der überwiegende Teil des Buches dem Leben von Norma, die 1915 nach dem Tod des Vaters aus London nach Stellata zurückkehrt, um sich dort um die sterbende Mutter zu kümmern. Verschiedene Erzählstränge wechseln sich ab, Norma erzählt im Rückblick von ihrer gemeinsamen Kindheit und Adoleszenz, auch von ihrer geheimen tiefen Freundschaft zu dem Nachbarsjungen Elia. Die wird sich dann als tragische Liebe durch beider Leben ziehen, bereits auf der Hochzeitsreise betrügt Elia Norma mit deren Cousine und hat mit ihr eine gemeinsame Tochter. Erst nach dem Tod von Maria Luz erfährt Norma von der Affäre und dem Kind, das Donata wie aus dem Gesicht geschnitten ist und einen bislang unergründlichen Teil von deren einstiger Weissagung erklärt. – Mit bald 70 Jahren reflektiert Norma daneben ihr von Anbeginn an schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter Elsa, deren Herz nie besonders für ihre Tochter entflammte. Zu deren Beerdigung treffen dann erstmals alle Protagonisten aufeinander, viele Knoten lösen sich und Norma wagt einen versöhnlichen Neuanfang mit Elia.
Elisabeth Bachthaler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das erste Licht des Sommers
Daniela Raimondi ; aus dem Italienischen von Judith Schwaab
Ullstein (2024)
428 Seiten
fest geb.