Ein schönes Ausländerkind
Vater, Mutter und Kind fliehen aus dem zerfallenden Jugoslawien ins Exil nach Österreich und kommen in der trostlosen Wiener Neustadt an. Der Start ist holprig. Die Familie ist fleißig und bereit, sich anzupassen und alles Menschenmögliche zu tun,
um ein gleichberechtigter Teil in der neuen Umgebung zu werden. Der Tochter gelingt die Anpassung, die Mutter, eine Apothekerin, putzt in österreichischen Häusern, lernt Deutsch und besteht Prüfungen, bis sie wieder in ihrem Beruf arbeiten kann. Nur der Vater versagt, sein Ingenieurdiplom wird nicht anerkannt, er lernt kein Deutsch und findet keine Arbeit, sodass er als Hausmann seine Tochter betreut. Dem „schönen Ausländerkind” fällt scheinbar mühelos zu, was dem resignierten Vater versagt bleibt: die Anerkennung. „Ich hatte meinen Teil des Integrationsversprechens eingehalten. Ich hatte den Ausländer in mir erfolgreich wegintegriert. Ich war weiß, christlich und aß gerne Schweinefleisch. Ich hatte immer nur gelernt oder gearbeitet ..., um zu beweisen, dass ich es auch wirklich verdient hatte, in Österreich zu leben. Ich hatte es geschafft … Ich war perfekt.” Aber glücklich ist sie nicht, sondern fragt sich, wie viel man von sich selbst aufgeben muss, um Teil der Mehrheitsgesellschaft zu werden. – Der autofiktionale Debütroman der TikTokerin führt mit bissigem Humor eine engherzige, rassistische Gesellschaft vor und erzählt sachlich und behutsam, was Krieg, Flucht und Unwillkommen-Sein Menschen antun. Der Schlusssatz ist erschütternd: „Was hat uns Österreich gekostet? Meinen Vater seine Stimme, meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich? Meinen Vater”. Unbedingt lesenswert!
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Ein schönes Ausländerkind
Toxische Pommes
Paul Zsolnay Verlag (2024)
205 Seiten
fest geb.