If you could see the sun
Alice Sun ist die einzige Stipendiatin der Airington Boarding School in Peking und ist deshalb eine Außenseiterin. Dennoch will sie unbedingt auf dieser Schule bleiben, denn die Alternativen sind noch schrecklicher. Deshalb braucht sie dringend Geld
für die Schulgebühren, die ihre Eltern nicht mehr aufbringen können. In der High Society helfen ihre überragenden Schulleistungen gar nicht und so muss sie sich von ihren Moralvorstellungen entfernen. Ganz zufällig entdeckt sie, dass sie sich unsichtbar machen kann. Bis sie diese Verwandlung wirklich steuern kann, passieren zwar einige komische Situationen, aber dann läuft es ausgesprochen erfolgreich. Dazu verhilft ihr Henry Li, der eine App entwickelt, über die ihre Mitschüler:innen Aufträge buchen können, die scharf bis an die Grenze der Legalität reichen. Die unsichtbare Alice führt die Aufträge gegen ein stattliches Honorar aus. Nach kurzer Zeit erreicht sie den Betrag für das Schulgeld, aber der Verlockung, skandalöse Geheimnisse ihrer eingebildeten und dummen Mitschüler:innen zu kennen, kann sie nicht widerstehen. Ein grässlicher Auftrag bringt sie dazu nachzudenken, wie weit sie gehen will und auch, wie sie aus der Situation herauskommt. Denn die App lässt sich nicht löschen und die Gefühle für Henry noch viel weniger. – Der Roman liest sich anfangs etwas schleppend, gewinnt dann aber über die Handlung an Intensität. Die pointierten Dialoge und vor allem die Absurdität des Plots machen Spaß. Eine gute Mischung aus Romantik, Identitätsfindung und Fantasy.
Manuela Hantschel
rezensiert für den Borromäusverein.
If you could see the sun
Ann Liang ; aus dem amerikanischen Englisch von Doris Attwood
cbj (2024)
397 Seiten
kt.