Parts per million
Die Autorin Johanna Strohmann ist auf der Suche nach einem Thema für ihren nächsten Roman. Als sie zufällig in eine Klimademonstration gerät und beobachten muss, mit wieviel Gewalt einige Autofahrer gegen die auf der Straße klebenden Aktivisten
vorgehen, hat sie ihr neues Thema gefunden. Schon bald verlässt sie ihre zunächst noch neutrale Beobachterposition und beteiligt sich immer öfter an Aktionen der Klimabewegung. Als in dem äußerst konservativ regierten Deutschland, das die Autorin Theresa Hannig in diesem Near-Future-Roman entwirft, Klimagruppen verboten und immer mehr Aktivisten inhaftiert werden, radikalisiert sich Johanna mehr und mehr, geht schließlich in den Untergrund und wird Mitbegründerin der "Parts Per Million", die immer offener für Gewalt im Widerstand plädiert und auch vor Entführungen und Folterungen nicht zurückschreckt, um die von ihr als Verursacher der Klimakatastrophe gebrandmarkten Personen zur Rechenschaft zu ziehen. Schließlich sieht Johanna nur noch eine Lösung. - Eindringlich und streckenweise äußerst drastisch entwickelt die Autorin ein durchaus glaubwürdiges Szenario einer polarisierten und zunehmend emotionalisierten Gesellschaft angesichts der Bedrohung durch den Klimawandel. Die intensive Schilderung einer möglichen Radikalisierung gesellschaftlicher Gruppen regt zum Nachdenken an und hallt im Leser lange nach. Der gut recherchierte Roman scheitert letztlich allerdings an der durchgehend stereotypen Charakterisierung der handelnden Personen und vor allem an der Darstellung seiner Hauptprotagonistin, deren plötzliche Wandlung von der ahnungslosen Mitläuferin zur brutalen Terroristin völlig unglaubwürdig bleibt. So wird das wichtige Thema leider streckenweise verspielt.
Angelika Rockenbach
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Parts per million
Theresa Hannig
Tor (2024)
367 Seiten
fest geb.