Ja, Schnecke, ja

Dass die Faszination für japanische Kultur manche Autoren in ihren Bann zieht, ist bekannt. Mit seinem Debütroman hat der 45-jährige Jan Snela ein Höchstmaß der Verschränkung von Japonismus und deutschem Liebesroman geschafft. Während sein Held Ja, Schnecke, ja (und Alter Ego) Hannes Gingelhuber vor Japankenntnis und Liebe gleichermaßen zerfließt, der auf Schneckenforschung in Japans Nara Universität entflohenen Amanda hinterhertrauert und kaum noch aus der Wohnung kommt, öffnet das Buch in kleinen Häppchen, die je mit einem Haiku schließen, die Sicht der Leser:innen auf die Diskrepanz zwischen dem Individuum und seiner Mitwelt. Da reden Pflanzen, Tiere und Dinge, springt die Szenerie von Amanda und ihrem akademischen Umfeld in Japan zur Isoliertheit von Hannes und seiner Beschäftigung mit japanischen Haiku-Dichtern. Wir werden Zeuge von sich paarenden Mäusen, endlosen Textnachrichten des Liebenden und seiner Sprachphilosophie, die das Banale zum Poetischen erhebt, die Vagheit preist, aber doch bestimmt mit Amanda zusammenleben und Kinder haben möchte. Mit schöner Leichtigkeit findet der Autor hier einen Erzählton, der gleichermaßen absticht von der nur innerlich bezogenen Perspektive wie vom Gesellschaftsroman. Daher ist dies Buch mit Recht ein Liebesroman zu nennen. Zum Vergnügen der Leser:innen geschrieben als Referenz an japanische Literatur, an die Geliebte und an alle Schnecken in ihrem langsamen Gang. – Große Empfehlung für literarisch ambitionierte und jung gebliebene Leser:innen.

Helmut Krebs

Helmut Krebs

rezensiert für den Borromäusverein.

Ja, Schnecke, ja

Ja, Schnecke, ja

Jan Snela
Klett-Cotta (2025)

409 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 621337
ISBN 978-3-608-96240-6
9783608962406
ca. 26,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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