Cinema Love
In einem schäbigen Kino in der chinesischen Provinz treffen sich in den 1980er-Jahren homosexuelle Männer, die sich nach Liebe sehnen – einer verbotenen Liebe, die streng bestraft wird. Viele sind verheiratet mit Frauen, die sie nicht glücklich
machen, nur um den Schein zu wahren. Die junge Bao Mei ist nach dem Tod ihres homosexuellen Bruders Kassiererin im Kino; sie beschützt die Männer, die kurz der Realität entfliehen. Eine Ehefrau, Yan Hua, entdeckt, was Männer wie ihr Shun-Er und Old Second dort treiben und denunziert sie. Nach einem Brand und dem Tod von Shun-Er wird das Kino unter gewaltsam unterdrückten Protesten abgerissen. Die Geschichte der Männer und Frauen wird in Rückblicken erzählt: Auch wenn sie in die liberaleren USA ausgewandert sind, müssen sie sich immer noch verstecken. Ihr Traum von einem besseren und freieren Leben bleibt unerfüllt. – „Cinema Love“ handelt nicht nur von schwulem Leid, sondern auch vom Schmerz der meist ahnungslosen Ehefrauen: Auch und gerade sie sind Opfer einer repressiven Sexualmoral. Der amerikanisch-chinesische Autor beleuchtet in seinem Debüt das traurige Leben der chinesischen Migrant:innen, die in Restaurants und Shopping-Malls als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden. Und trotzdem versuchen sie, eine kleine Gemeinschaft aufzubauen, die an die verlassene Heimat erinnern soll. Eine berührende und traurige, aber wunderbar erzählte Geschichte, sehr empfohlen.
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Cinema Love
Jiaming Tang ; aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner
Klett-Cotta (2025)
299 Seiten
fest geb.