Nightbitch

“Nightbitch” hat für ihr 2-jähriges Kind ihre Karriere als Künstlerin aufgegeben, weil sie ihren kleinen Sohn nicht einer beliebigen Tagesmutter anvertrauen wollte. Doch die Ödnis ihrer langen Tage ist zermürbend, ihr Mann ist ständig geschäftlich Nightbitch unterwegs, und so wird sie immer wütender: auf ihren zu verständnisvollen Ehemann, auf ihre früheren Kolleginnen, auf die Supermütter am Spielplatz und natürlich auf das ganze System, das eine nicht arbeitende Mutter wie im Urlaub sieht. Ihr Körper beginnt sich zu verändern: Ein Fell wächst ihr im Nacken und plötzlich hat sie einen Mordshunger auf rohes Fleisch. Ist diese gelegentliche Verwandlung der Protagonistin in eine Hündin eine ihr aufoktroyierte Tierhaftigkeit der Frau in der Mutterrolle oder steht sie für eine Befreiung aus der gesellschaftlichen Zähmung? Am Ende verwandelt Nightbitch ihre neue Power in eine künstlerische Performance, die großen Erfolg hat. - Der Roman zeigt die andere Seite des Mutterseins: nicht die der liebenden, aufopferungsvollen, sondern die der frustrierten Mutter, die mit der Situation nicht klarkommt und wütend ist, dass sie es nicht schafft, alles unter einen Hut zu bringen, und sich deshalb in eine wilde Hündin (= bitch) verwandelt. Eine schockierende Perspektive auf Mutterschaft, die aufgerieben ist zwischen dem Streben nach Selbstverwirklichung und dem Bedürfnis nach Nähe zum eigenen Kind. Ein origineller Roman voller erschreckender Wahrheiten und schwarzem Humor. Eine Herausforderung für unerschrockene Leser:innen.

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Nightbitch

Nightbitch

Rachel Yoder ; aus dem Englischen von Eva Bonné
Klett-Cotta (2023)

295 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 615590
ISBN 978-3-608-98687-7
9783608986877
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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