Das rote Buch der Abschiede
Die Ich-Erzählerin wächst als einziges Kind einer kommunistisch geprägten Arbeiterfamilie in einfachen Verhältnissen auf. Schon früh merkt sie, dass sie anders ist, doch von den konservativen Eltern wird ein mädchenhaftes, angepasstes Verhalten
eingefordert. Erst als sie das Studium an der Universität Helsinki beginnt und ins Studententheater aufgenommen wird, kann sie ihre Liebe zu Frauen ausleben, wenn auch nur im Verborgenen, denn Homosexualität ist im Finnland der frühen 1970er-Jahre strafbar. Die Erzählerin engagiert sich künstlerisch und politisch, übernimmt Verantwortung und Führungspositionen. Die Hochschulleitung verlangt vorbildliches Handeln und argumentiert, dass die Glaubwürdigkeit der revolutionären Bewegung über der Frage der weiblichen Identität stehe. Unmissverständlich wird der Erzählerin nahegelegt, sich von ihrer Partnerin zu trennen. Ist sie bereit für einen weiteren Abschied? Pirkko Saisio erzählt poetisch, tiefgründig, selbstironisch und virtuos. Sehr empfehlenswert.
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Das rote Buch der Abschiede
Pirkko Saisio ; aus dem Finnischen von Elina Kritzokat
Klett-Cotta (2023)
309 Seiten : Illustrationen, Karte
fest geb.