Das Schachbrett

Der Schriftsteller Jean-Philippe Toussaint nutzt seine durch die Covid-19-Krise erzwungene Untätigkeit zu einem neuen Schreibprojekt: Er will Stefan Zweigs „Schachnovelle“ ins Französische übersetzen, denn er sieht in der Isolationshaft des Das Schachbrett Protagonisten eine Parallele zu seiner Situation im Lockdown. Außerdem formuliert er als zweites Projekt eine Art Logbuch über das Übersetzen und ein Nachdenken über das Schreiben selbst. Er erzählt, wie er sich im Portugalurlaub mehreren Partien Schach mit seinem Vater stellt, die dieser immer gewinnt. Erst ein Coup mit einer Rochade, die er in einer Schachzeitschrift kennengelernt hat, bringt den Vater in Bedrängnis und beendet ihre gemeinsamen Spiele. Im Herbst beginnt der junge Mann, das Schachspiel in der Bibliothek des Pariser Centre Pompidou zu studieren, und lernt dort weitere Schachbegeisterte kennen. Gleichzeitig beginnt seine Laufbahn als Schriftsteller, und sein Schreibprojekt wird zur Geschichte einer Berufung. – Toussaint ist ein sensibler Wort-Jongleur. In der kurzen Passage über die erste Begegnung mit seiner zukünftigen Frau Madeleine bezaubert er mit einem ironisch gebrochenen erzählerischen Schweben. Schachliebhaber:innen werden sein Buch mit besonderem Gewinn lesen.

Karin Blank

Karin Blank

rezensiert für den Borromäusverein.

Das Schachbrett

Das Schachbrett

Jean-Philippe Toussaint ; aus dem Französischen von Joachim Unseld
Frankfurter Verlagsanstalt (2024)

252 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 618945
ISBN 978-3-627-00318-0
9783627003180
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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