Widerrechtliche Inbesitznahme

Die 31-jährige emanzipierte Ester, die in einer "vernünftigen Beziehung" lebt, soll einen Vortrag über einen Künstler halten. Sie verliebt sich so sehr in ihn, dass sie nicht merkt, dass sein Interesse gering ist; seine Schwächen und seinen Narzissmus Widerrechtliche Inbesitznahme rechtfertigt sie vor sich selbst und versucht - als er sich nicht mehr bei ihr meldet - vergeblich, von der obsessiven Liebe loszukommen. "Wer verlässt, spürt keinen Schmerz. Wer verlässt, braucht nicht zu reden ... Wer verlassen wird, muss dagegen bis in alle Ewigkeit reden. Und dieses ganze Gerede ist nur der Versuch, dem anderen zu sagen, dass er sich geirrt hat. Wenn er nur einsähe, wie die Dinge wirklich liegen, würde er sich nicht so verhalten, dann würde er den anderen lieben." Scharfsinnig, aber ohne Erfolg analysiert Ester ihre Lage, insbesondere die "Abgründe zwischen Gedanke und Wort, Wille und Ausdruck, Wirklichkeit und Unwirklichkeit". Doch rationale Argumente helfen ihr nicht. - In wissenschaftlich-analytischer Sprache seziert die Autorin die emotionale Abhängigkeit der Ich-Erzählerin. Ein herausragender Titel zum Thema Liebesbeziehung und -abhängigkeit für anspruchsvolle Leser/innen. (Übers.: Gabriele Haefs)

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Widerrechtliche Inbesitznahme

Widerrechtliche Inbesitznahme

Lena Andersson
Luchterhand (2015)

219 S.
fest geb.

MedienNr.: 581382
ISBN 978-3-630-87469-2
9783630874692
ca. 18,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.