Das unaufhaltsame Fließen

Wie im ersten Band seiner autobiografischen Trilogie, "Die verborgenen Ufer" (2015, in BP/mp nicht bespr.), beginnt der 74-jährige Schweizer Autor mit der traumatisierenden Erfahrung, als ihm bei einem Hochwasser ein Teil seiner Terrasse weggerissen Das unaufhaltsame Fließen worden war und ihm dieser Absturz wie ein Abbild seiner Lebenssituation erschienen ist. Das Ereignis hatte ihn bewogen, eine Rückschau auf seine Kindheit und Jugend zu halten. Seinen zweiten Band beginnt er mit der Frage: "Wo stehe ich heute auf meinem Weg, vier Jahre nach dem Entschluss, ein Schriftsteller zu werden?" Zunächst beschäftigt er sich mit dem Nachlass des Lyrikers Adrien Turel, dessen Witwe die Typoskriptseiten in einer von ihr überarbeiteten Form herausgeben will. Der Autor rettet die von Frau Turel verstoßenen Manuskriptseiten zunächst in seine Dachkammer. Die Beschäftigung mit den Schriften beeinflusst zunehmend sein Denken, er meint sogar, Ähnlichkeiten seines Schriftbilds zu der Turels zu entwickeln. Sein eigenes Schreiben indes stockt. So begibt er sich auf die Suche nach jemandem, an den sich das "lose Ende seiner Seele" heften könne. Bei seiner tollen Freundin Pippa, der zielstrebigen Schauspielerin, fehlt ihm dieses Element ... - Hallers Stil ist abwechselnd ausschweifend, beschreibend und ironisch, was teilweise anstrengend zu lesen ist, besonders wegen der für Nicht-Schweizer meist unbekannten Namen und Institutionen. Der autobiografische Roman ist eher für größere Bestände geeignet.

Karin Blank

Karin Blank

rezensiert für den Borromäusverein.

Das unaufhaltsame Fließen

Das unaufhaltsame Fließen

Christian Haller
Luchterhand (2017)

251 S.
fest geb.

MedienNr.: 591893
ISBN 978-3-630-87557-6
9783630875576
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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