Sich lichtende Nebel

Der Schweizer Schriftsteller und Dramaturg Christian Haller, der 2023 seinen Achtzigsten feiern darf, legt mit dieser dicht geschriebenen Novelle kein leichtes Buch vor. Erzählt wird gegeneinandergesetzt von zwei Leben: einerseits ist da der junge Sich lichtende Nebel Wissenschaftler Werner Heisenberg, der dabei ist, die Grundlagen der Quantenmechanik zu erforschen; andererseits ist da der verwitwete Geschichtsprofessor Helstedt, der damit ringt, mit dem Verlust seiner Frau zurechtzukommen. Sie begegnen sich nur für einen kurzen Augenblick in Kopenhagen, 1925, als Heisenberg einen Mann - Helstedt - im Lichtkegel einer Laterne sieht, dann im Lichtkegel einer anderen Laterne. Wo ist er zwischendurch gewesen? Das Erlebnis löst in Heisenberg einiges aus, aber auch in Helstedt wird sich noch vieles bewegen. Auf knapp über 100 Seiten entwirft Heller ein dichtes Panorama beider Männer, wobei Helstedt und sein Ringen mit Trauer und Verlust im Zentrum steht. Sprachlich schöpft Haller dabei sein ganzes Können aus, liefert in der kleineren Novellenform quasi eine Meisterprobe seines literarischen Schaffens. Die Novelle ist damit sicher nichts für das flüchtige Lesen. Wer sich aber darauf einlässt, den Text gerne auch ein weiteres oder drittes Mal liest, der wird mit einem Leseerlebnis belohnt, das noch lange nachwirken wird.

Friedrich Röhrer-Ertl

Friedrich Röhrer-Ertl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Sich lichtende Nebel

Sich lichtende Nebel

Christian Haller
Luchterhand (2023)

122 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 751518
ISBN 978-3-630-87733-4
9783630877334
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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