Das Institut
Sechs Jahre arbeitet der Icherzähler Thyl nach seinem Studium Ende der 1970er Jahre beim Schweizer Institut für Arbeit. Dieses soll das soziale Erbe des Gründers einer landesweit bedeutsamen Unternehmensgruppe bewahren. Er startet als wissenschaftlicher
Zuarbeiter. Nach sechs Jahren verantwortet er Vorbereitung und Durchführung internationaler Kongresse zu gesellschaftlich relevanten Themen, besonders im Kontext der Arbeiten des Club of Rome. Thyl merkt, vor allem auch durch die kritische Begleitung seiner Partnerin Isabelle, dass er und seine Arbeit Teil des Machtstrebens des Institutsleiters sind. Angesichts der intellektuellen Herausforderungen und der Annehmlichkeiten u.a. bei vielen Reisen durch die Welt, lässt er sich darauf ein. Im Ergebnis entzieht er sich jedoch den Ränkespielen der Mächtigen. Dies gelingt ihm durch Atempausen bei Reisen mit Isabelle, deren resolute Entscheidung, aus einer therapeutischen Arbeit zur Kunst zu wechseln, ihrem gemeinsamen Erkunden der Geschichte Ishis, dem letzten Yahi-Indianer und der Reflexion seiner eigenen Familiengeschichte. – Der mehrschichtige Roman ist mit seinen Schilderungen des Institutsgeschehens, mit manchen gedanklichen Anleihen an das zeitgleich entstandene Wirtwirtschaftsforum in Davos, auch eine kritische Auseinandersetzung mit einem männlichen Dominanzverhalten in Wissenschaft und Wirtschaft. Haller gelingt mit einem hohen Erzähltempo und einer klaren, eindringlichen Sprache ein Roman, der elementare Themen der Menschheit mit einer tiefen Liebesgeschichte verknüpft. Deren Wachsen, die wechselseitigen Freiheiten, ihr Grundvertrauen und das offene Ende sind ein Gegenstück zum destruktiven Marktgebaren. Gerne und breit empfohlen, besonders männlichen Lesern.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Institut
Christian Haller
Luchterhand (2024)
268 Seiten
fest geb.